Das ehemalige Kantonsspital Baden steht exemplarisch für eine Zeit, in der Stadtentwicklung und Architekturdem Diktat der Infrastruktur folgten. Dättwil ist ein Produkt des automobilen Zeitalters und das Spital ein Resultat funktionaler Logik, die sich nicht in den Ort einbettet, sondern sich über ihn erhebt. Seine Präsenz, Serialität und Masse machen es zum Automonument, einem architektonischen Ausdruck von Effizienz, Kontrolle und Distanz. Aneignung? Kaum möglich. Die Architektur schafft Trennung und versucht keinen Dialog aufzubauen. Die Thesis sucht genau dort anzusetzen. Im Spannungsfeld zwischen Isolation und Infrastruktur und zwischen monumentaler Präsenz und menschlicher Abwesenheit. Eine neue Lesart versteht das Spital nicht als abgeschlossenes Objekt, sondern als struktureller Satellit für Bewegung. Statt statische Massivität wird eine vertikale Erschliessung als räumliche Strategie der Durchdringung, des Erlebens und der sozialen Öffnung etabliert. Choreografierte Blickachsen, neue Wege und Übergänge stellen den ursprünglichen Klinikzweck infrage und schaffen Aneignungspotenziale im Inneren des Monoliths. Das neue Programm, eine Mischung aus Wohnen und kultureller Produktion, reagiert bewusst auf die Überregionalität des Ortes und die Geschichte des Theaters in Baden. Räume für gemeinsames Machen, Austausch und temporäre Nutzungen ermöglichen eine kulturelle Rückeroberung des Gesundheitsmonuments. Die Architektur wird zur Bühne, nicht für Krankheit, sondern für das Leben in seiner Vielfalt. So entsteht aus dem Automonument ein durchlässiges, performatives Gefüge. Ein Ort, der die Geschichte des Spitals nicht verdrängt, sondern weiterschreibt, in einem neuen, vielstimmigen Takt.
betreut durch Prof. Peter Alhaus, Oliver Burch




